Training ist nicht alles, wenn es um sportliche Leistungen geht. Ein ebenso wichtiger Teil ist die Ernährung. Wir haben für euch mit Scott Tindal, Mitgründer und Chief Nutrition Officer von Fuelin, gesprochen, über die Entstehung von Fuelin, den wissenschaftlichen Ansatz dahinter und warum gute und leistungssteigernde Ernährung kein Zufall ist. Fuelin ist eine personalisierte Ernährungs-App, die Sportler*innen helfen soll, sich smarter zu ernähren, besser zu regenerieren und langfristig ihre Leistung zu steigern.
Sporthunger: Scott, du hast viele Jahre mit Profisportler*innen gearbeitet und eine beeindruckende Karriere im Bereich Sportperformance und Ernährung aufgebaut. Wie hat alles begonnen – und was hat dich zu den Ernährungswissenschaften gebracht?
Scott: Ich habe ursprünglich an der Universität Sydney eine Ausbildung zum Physiotherapeuten absolviert und bin dann nach England gezogen. Dort habe ich meinen Master of Science in Sports & Exercise Medicine an der Queen Mary University of London mit Auszeichnung abgeschlossen und später ein Postgraduierten-Diplom in Sports & Performance Nutrition an der University of Westminster erworben. Sport war schon immer meine große Leidenschaft – früher Cricket, Rugby und Krafttraining, heute vor allem Ausdauersport. Die Ernährung für Ausdauersportler*innen ist auf einem ganz anderen Level – präzise und umsetzbar und genau das liebe ich daran.
Sporthunger: Welche Erkenntnisse aus deiner Arbeit mit Profisportler*innen haben dich dazu inspiriert, eine Lösung wie Fuelin zu entwickeln?
Scott: Mir fiel auf, dass es im Markt eine große Lücke gibt: Es fehlte ein System, das Sporternährung konkret an das tatsächliche Training anpasst und nicht nur auf theoretischen Annahmen wie‚ wenn dies, dann das‘ basiert.
Ich habe damals mit Profi-Triathlet*innen gearbeitet und gesehen, dass sie im Grunde mit denselben Herausforderungen kämpfen wie ambitionierte Amateursportler*innen. Mit Fuelin wollten wir genau das ändern: Wir liefern Sportler*innen in Echtzeit die passenden Ernährungsempfehlungen – abgestimmt auf ihren individuellen Trainingsplan. Das Ergebnis? Eine App, die praktische, umsetzbare Lösungen bietet. Ziemlich großartig, wenn du mich fragst!
Sporthunger: Viele großartige Ideen entstehen aus einer einfachen Beobachtung oder Frustration. Wie kam es zur Idee für Fuelin – gab es einen bestimmten Moment oder ein bestimmtes Erlebnis, das dir den Anstoß dazu gegeben hat?
Scott: Tatsächlich entstand die Idee aus einem sehr praktischen Problem: Ich habe damals die Trainingspläne meiner Athlet*innen aus TrainingPeaks manuell in Google Sheets übertragen, um individuelle Ernährungspläne zu erstellen – genau das, was heute der Kern von Fuelin ist.
Das Ganze war allerdings unglaublich zeitaufwendig: Für jede Person habe ich drei bis vier Stunden pro Woche gebraucht. Als ich mehr Athlet*innen betreute, war das einfach nicht mehr nachhaltig.
Besonders schwierig war, dass die Trainingspläne meist am Wochenende für die folgende Woche erstellt wurden. Meine Wochenenden waren absolut chaotisch, und ich musste dringend eine Lösung finden. Irgendwann war klar: Das muss effizienter gehen. Aus dieser Erkenntnis ist Fuelin entstanden.
Smart essen, besser performen - was Fuelin wirklich kann
Sporthunger: Für Leser*innen, die noch nichts von Fuelin gehört haben – wie würdest du beschreiben, was die App macht und für wen sie gedacht ist?
Scott: Im Grunde ist es ganz einfach: Fuelin liefert dir täglich genau die Menge an Energie und Nährstoffen, die du für dein Training brauchst. Du musst also nicht mehr überlegen, was du vor, während oder nach einer Einheit essen solltest – die App übernimmt das für dich. Jede Mahlzeit, jeder Snack ist auf dein persönliches Training abgestimmt und berücksichtigt Zeitpunkt, Intensität und Umfang deiner Einheiten.
Das bedeutet: Deine täglichen Makronährstoffe – also Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett und Gesamtkalorien – werden individuell berechnet, basierend auf deinen biometrischen Daten, deiner Trainingsbelastung, der Trainingszeit und deinen Zielen (sei es Gewichtsreduktion, Muskelaufbau oder Leistungssteigerung).
Gleichzeitig bleibt Fuelin flexibel: Du kannst entweder deine eigenen Mahlzeiten eintragen oder dich von der „Smart Meals“-Funktion inspirieren lassen. Solange du dich an die empfohlenen Rahmenwerte hältst, kannst du dich nach deinen persönlichen Vorlieben ernähren. Genau das ist einer der entscheidenden Faktoren von Fuelin, der für Konsistenz und Nachhaltigkeit sorgt.
Sporthunger: Es gibt unzählige Ernährungs- und Tracking-Apps auf dem Markt. Was unterscheidet Fuelin von den anderen?
Scott: Wir sind keine „Food Tracker App". Das ist lediglich eine Funktion innerhalb von FUELIN. Wir sind ein „Performance Operating System“. Wir ermöglichen es jedem, der Sport treibt, seine Gesundheit und Leistung durch Ernährung, Training und Erholung zu optimieren. Da wir uns mit den Trainingsplänen der Sportler*innen synchronisieren oder die Sportler*innen ihren Plan direkt in Fuelin erstellen, erhalten sie ein wirklich personalisiertes Ernährungsprogramm.
Unser Food Tracker ist unglaublich – du kannst ganze Sätze sprechen oder tippen (auf Deutsch oder Englisch) und „Scooter“ – unser KI-Food Tracker – erledigt den Rest. Solange der*die Sportler*in angibt, was er*sie isst und wie viel davon, wertet Scooter die Daten aus. Du kannst auch „Smart Meals“ verwenden, um Empfehlungen vom Coach zu erhalten, oder „Meals with …“ nutzen, um Fuelin mitzuteilen, welche Zutaten du verwendest. Wir erledigen den Rest. Du kannst auch angeben, dass du auswärts isst, und Scooter schlägt dir Optionen vor, die zu deinen Makros passen. Schließlich steht dir ein Barcode-Scanner zur Verfügung, der kostenlos im Abonnement enthalten ist.
Eine weitere Funktion, die Fuelin bietet – und die kein anderer Food-Tracker hat – ist das‚ „Sweat rate and carb Capacity Testing“ (Schweißrate und Kohlenhydratkapazitätstest). Damit können Nutzer*innen ihre Schweißrate und Flüssigkeitsaufnahme verstehen und personalisierte Empfehlungen für zukünftige Trainingseinheiten unter bestimmten Umgebungsbedingungen erhalten. Dies hilft beim Training des Darms und bei der Verbesserung der Kohlenhydrataufnahme für Trainingseinheiten, bei denen mehr Kohlenhydrate benötigt werden.
Sporthunger: Fuelin kombiniert Ernährungsberatung mit Trainingsdaten. Kannst du erklären, wie diese Integration in der Praxis funktioniert?
Scott: Wir synchronisieren uns über eine API direkt mit den folgenden Trainingsplattformen:
- TrainingPeaks, Pushing Limits, HumanGO, Garmin, TriDot, RunDot, Final Surge, Apple Health
So können wir die spezifischen Trainingseinheiten sehen, die auf dem Wochenplan stehen. Wenn Athlet*innen keine Trainingsplattform nutzt und stattdessen Spreadsheets verwendet, kann der Trainingskalender in Fuelin mit Trainingsblöcken erstellt werden. Viele Nutzer*innen machen das genauso – sie synchronisieren einfach ihre Garmin-Uhr oder ein anderes Gerät über Apple Health. So einfach ist das.
Sporthunger: Was erwartet jemanden, der Fuelin zum ersten Mal herunterlädt – wie lernt die App ihn kennen und beginnt, ihm personalisierte Empfehlungen zu geben?
Scott: Nach dem ersten Onboarding-Fragebogen verfügen wir über zahlreiche Informationen. Sobald die Synchronisierung mit dem Trainingsprogramm erfolgt ist.
Sporthunger: Du hast Feedback von Sportler*innen aus aller Welt erhalten. Kannst du uns einige Beispiele nennen, wie Fuelin den Nutzer*innen geholfen hat, ihre Leistung oder ihr Verhältnis zur Ernährung zu verbessern?
Scott: Ehrlich gesagt gibt es zu viele Beispiele – und das meine ich nicht arrogant, es ist einfach so. Wir erhalten täglich Nachrichten von Sportler*innen, die unter geringer Energieverfügbarkeit (LEA) oder relativem Energiemangel im Sport (REDs) gelitten haben. Darin erzählen sie uns, wie sie ihre Beziehung zu Essen, Ernährung und Sport verändert haben und heute gesünder denn je sind. Diese Geschichten sind sehr ermutigend und motivieren uns, weiter an dem zu arbeiten, was wir aufgebaut haben. Der Fokus auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Ballaststoffen hebt uns von anderen ab. Hier ist ein Zitat einer Sportlerin, das ich gestern erhalten habe:
„Ich habe auf gesunde Weise abgenommen. Ich habe mich noch nie besser gefühlt. Meine tägliche Ernährung basiert jetzt auf Gemüse. :) Mein Mann und meine Kinder ernähren sich besser denn je. Meine Regeneration hat sich verbessert, und meine Leistung hat sich gesteigert. Ich konnte einige der härtesten Trainingseinheiten absolvieren, die ich je gemacht habe, auf dem Weg zur Ironman-Weltmeisterschaft.“
Sporthunger: Für viele Menschen kann Ernährung eine Herausforderung sein. Wie macht Fuelin eine gesunde Ernährung verständlicher und leichter im Trainingsalltag umsetzbar?
Scott: Da wir die Entscheidungsunfähigkeit und das Rätselraten beseitigen, können sich Sportler*innen auf den angenehmen Teil konzentrieren – das Essen! Wenn sie nicht darüber nachdenken müssen, wie viel oder was sie essen sollen, macht es Spaß. Sie können sich einfach auf das Essen selbst freuen. Ernährung ist generell eine Herausforderung – für Ausdauersportler*innen ist sie noch anspruchsvoller, da der Zeitpunkt der Mahlzeiten entscheidend ist. Wir nehmen diese Unsicherheiten ab und geben klare Empfehlungen zum optimalen Zeitpunkt der Mahlzeiten.
Sporthunger: Ist die App nur für Profi- und Elitesportler*innen geeignet oder können auch Freizeitläufer*innen und Fitnessbegeisterte davon profitieren?
Scott: Fuelin ist für alle, die Sport treiben. Ganz gleich, ob sie ein Gesundheits- oder ein Leistungsziel verfolgen, wir helfen ihnen dabei, dieses zu erreichen. Wir sagen gerne: „Eine gesunder Sportler ist ein leistungsstarker Sportler!“
Wissenschaft trifft Alltag - Ernährung neu gedacht
Sporthunger: Kannst du uns einen Einblick in die Forschung, Daten oder Methodik geben, die den Empfehlungen der App zugrunde liegen?
Scott: Wir haben vier Jahre lang sowohl aus wissenschaftlicher Sicht als auch auf Basis praktischer Erfahrungen an der Verbesserung gearbeitet. Mit Unterstützung von Dr. Alan McCubbin und Megan Foley haben wir ein wissenschaftlich fundiertes und praxisorientiertes Programm entwickelt. Bis zum Jahresende werden wir einige spannende Verbesserungen am System vornehmen. Dies ist das Ergebnis einer zwölfmonatigen Verfeinerung des Algorithmus, der das Team von Fuelin kontinuierlich vorantreibt.
Sporthunger: Wie stellst du und dein Team sicher, dass die Beratung sowohl personalisiert als auch evidenzbasiert bleibt, während sich die Ernährungswissenschaft weiterentwickelt?
Scott: Wir sind offen für Veränderungen. Wir haben unsere wissenschaftlichen Grundsätze, an denen wir festhalten, sind jedoch offen für Entwicklungen in der Ernährung durch neue Forschung. Nichts ist in Stein gemeißelt, aber wir wissen, dass wir keine Modeerscheinung oder Eintagsfliege sind. Die Richtlinien und Informationen basieren auf den derzeit besten verfügbaren Erkenntnissen.
Sporthunger: Was denkst du, welchen Einfluss wird Technologie in Zukunft auf die Sporternährung und sportliche Leistungen haben?
Scott: Wir stehen derzeit an vorderster Front. Unser Algorithmus und unsere Integrationstechnologie sind wegweisend. Dank KI gewinnen wir kontinuierlich bessere Einblicke in die Funktionsweise des Fuelin-Programms und dessen Auswirkungen auf Sportler*innen. Die kritische Analyse der Millionen von täglich gesammelten Datenpunkten ermöglicht eine noch individuellere Personalisierung. Dies ermöglicht hochgradig personalisierte Programme, die den Bedürfnissen der Sportler*innen entsprechen. Es ist spannend, wenn wir uns unsere Roadmap ansehen.

Menschen, Mythen, Motivation - ein Blick hinter die Kulissen
Sporthunger: Auf eurer Website fallen einem direkt zwei großartige Triathlet*innen auf. Ihr hab Jan Frodeno als Chief Performance Officer und Daniela Ryf als Chief Fueling Officer im Team. Wie hast du die beiden überzeugt, mitzumachen, und wie würdest du ihren Einfluss bei Fuelin beschreiben?
Scott: Ich habe mit Jan Frodeno in seinem letzten Jahr zusammengearbeitet. Wir haben gemeinsam den USA National T100 Titel gewonnen. Er ist jetzt ein guter Freund und wir unterhalten uns wöchentlich. Jans Investition in Fuelin war aus seiner Sicht ein no brainer, da er den Wert dessen erkannte, was wir für Sportler*innen tun können, und die Ergebnisse, die damit erzielt werden können. Wir moderieren gemeinsam den Fuelin Sessions Podcast.
Daniela hat mich über Social Media kontaktiert. Mit einem Abschluss in Ernährungswissenschaften und ihrer persönlichen Leidenschaft für Lebensmittel und Ernährung war sie sofort an unserer Arbeit interessiert. Wir haben uns unterhalten, uns in Kona getroffen, und sie hat investiert, nachdem sie die Fuelin-App nur ein paar Wochen lang genutzt hatte. Dani und ich tauschen uns regelmäßig über Rezepte und Ernährung aus. Sie bringt unzählige großartige Ideen ein und ist extrem witzig. Dani ist ebenfalls regelmäßig bei Fuelin Sessions dabei.
Wenn das Programm funktioniert, dann funktioniert es! Sowohl Jan als auch Dani sind nicht nur unglaubliche Sportler, sondern auch tolle Menschen. Ihre Erkenntnisse sind von unschätzbarem Wert und werden auch in Zukunft ein wichtiger Teil von Fuelin sein.
Sporthunger: Du bist wahrscheinlich schon unzähligen Ernährungsmythen begegnet. Welchen davon würdest du am liebsten ein für alle Mal aus der Welt schaffen?
Scott: Wo soll ich anfangen! Anstatt sich auf Mythen zu konzentrieren, würde ich Sportler*innen raten, sich auf Folgendes zu konzentrieren: Konsistenz! Ernährung unterscheidet sich dabei nicht vom Training. Wenn Sie ein Programm konsequent befolgen, werden Sie Ergebnisse sehen. Wenn Sie sich einfach an Ihr Programm halten, das auf Ihrem täglichen Training basiert, werden Sie die gewünschten Ergebnisse erzielen.
Sporthunger: Was ist deine persönliche Lieblingsmahlzeit vor dem Training oder zur Regeneration?
Scott: Toast mit Vegemite oder Rosinen-Toast mit Butter, falls ich vor dem Training etwas esse. Als Frühstück zur Regeneration esse ich entweder Overnight Protein Oats oder Eier mit Sardinen und Toast.
Sporthunger: Und eine letzte Frage. Wenn du einen Tipp an Sportler*innen geben könntest, die sich besser ernähren und mehr Leistung erbringen wollen, was wäre das?
Scott: Benutzt Fuelin!
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Mehr Information zu Fuelin findet ihr auf der Webseite.